Philip Campbell ist tot
- motorkoeppe
- vor 1 Tag
- 2 Min. Lesezeit
Und wieder geht einer von Bord. Mit Phil Campbell ist nicht einfach nur ein großer Gitarrist gestorben. Mit ihm ist wieder einmal ein Stück Motörhead gegangen. Viel bleibt nicht mehr.
Über viele Jahre stand Phil Campbell im Schatten von „Fast“ Eddie Clarke und konnte sich bis zum Ende von Motörhead nie ganz daraus befreien. Für viele war Clarke der Mythos, der Name aus der frühen, kanonischen Phase, der Gitarrenheld der ersten großen Motörhead-Erzählung. Aber wer Motörhead wirklich über die Jahrzehnte begleitet hat, weiß, dass Phil Campbell weit mehr war als ein Nachfolger. Er war keine Fußnote der Bandgeschichte. Er war einer ihrer tragenden Pfeiler.
Er hat den Sound von Motörhead entscheidend mitgeprägt — und zwar genau den Sound, den viele von uns über Jahre, ja Jahrzehnte, mit dieser Band verbunden haben. Härter, dichter, schwerer: Phil Campbells Gitarre gab Motörhead eine neue Wucht, ohne dass die Band je aufhörte, Motörhead zu sein. Das war seine besondere Kunst. Er versuchte nicht, eine Vergangenheit zu kopieren. Er nahm das, was da war, und gab ihm eine neue Form.
Er trug die Songs, die alten Hymnen ebenso wie das spätere Material, mit einer Kraft und Souveränität, die vielleicht nie genug gewürdigt wurden. Für Lemmy war Phil Campbell weit mehr als nur ein Mitmusiker. Er war einer seiner engsten Freunde, einer, der über mehr als drei Jahrzehnte hinweg als Konstante den Fortbestand der Band mitgetragen hat.
Oft hatte man das Gefühl, dass zwischen ihnen etwas Selbstverständliches bestand, etwas, das nicht erklärt werden musste: Vertrauen, gewachsen über Jahrzehnte im Lärm, auf Tour, in Studios, in einem Leben, das Motörhead hieß. Phil habe die Band mehrmals pro Tour verlassen, scherzte Lemmy oft. Darin spiegelte sich auch etwas von dem Launischen und Eigenwilligen, das Phil Campbell als Künstler mit sich brachte. Nicht minder hielt er den ganzen Tross, inklusive Roadcrew, mit seinem Humor und seinen Scherzen auf Trab.
Und als Motörhead mit Lemmys Tod endete, ging Phil Campbell nicht den einfachen Weg. Er schloss sich keiner großen Band an — Möglichkeiten hätte es dafür sicher gegeben. Stattdessen ging er mit seinen Söhnen im Nightliner auf Tour. Kleinere Venues, weniger Zuschauer, dafür die Treuesten. Sogar zum Motörheadbangers Ball 2019 in Paris schaffte er es.
Bis zuletzt spielte er die alten Motörhead-Songs in seinen Sets. Oft fanden seine eigenen Stücke gar nicht mehr den Weg auf die Bühne. Verdient hätten sie es gehabt. Auch in seinem Spätwerk finden sich starke Songs. Doch die Fans wollten es anders, vielleicht auch die Veranstalter. Phil tat ihnen den Gefallen und nahm sich selbst dafür zurück.
Jetzt ist er nicht mehr da. Und plötzlich spürt man, wie viel von Motörhead in ihm steckte. Sein Spiel, seine Haltung, seine Treue zur Band und zu ihrer Musik werden bleiben. Phil Campbell starb am 13. März 2026 an den Folgen einer komplizierten Operation.
Andy





Kommentare